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Culture First. Digitalization Second.

Culture First. Digitalization Second.

Wir Menschen neigen oft dazu, dass wir uns komplexe Dinge einfach zu erklären versuchen. Wenn wir Dinge nicht verstehen, haben wir sie schon immer mit übersinnlichen Hintergründen oder Verschwörungstheorien erklärt – und waren damit über viele Jahrhunderte ziemlich glücklich. Klar, einfache Erklärungen geben uns das Gefühl von Sicherheit, von einem festen Boden unter den Füßen. Aber ganz ehrlich: Sicher war noch nie irgendetwas und gerade große gesellschaftliche Transformationen haben uns immer wieder den Boden unter den Füßen weggezogen – zumindest temporär, bis wir wieder verstanden haben, wie wir mit den Veränderungen umgehen müssen.

Seit einigen Jahren befinden wir uns wieder in einer Phase, in der viele das Gefühl haben, dass Ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Viele Berater bezeichnen das dann gerne als digitale Transformation und versuchen den Unternehmen digitalisierte Prozesse und neue fancy Tools zu verkaufen – plötzlich hat jedes Unternehmen ein eigenes Social Network und findet Lösungen wie Slack ganz toll. Das gibt den Unternehmern kurzfristig auch ein Gefühl von Sicherheit – und es scheint eine recht einfache und schnelle Lösung zu sein.

Doch tatsächlich geht es um viel mehr als digitalisierte Prozesse und neue Tools. Es geht um eine kulturelle Veränderung in unserer Gesellschaft, die letztlich durch die Möglichkeiten digitaler Technologien und Innovationen ausgelöst wurde. Die Veränderung ist aber nicht die Digitalisierung. Die Veränderung ist das, was die neuen Möglichkeiten mit uns Menschen machen. Wir haben plötzlich ganz neue Freiheiten, können von jedem Ort der Welt und zu jeder Zeit arbeiten. Wir sind alle mit allen vernetzt und werden 24 Stunden am Tag mit Informationen aus allen Winkeln der Erde versorgt. Wir können Prozesse automatisieren und beschleunigen, haben dadurch deutlich mehr Zeit für andere Aufgaben. Wir werden selbstständiger, selbstbestimmter und immer mehr von uns beschäftigen sich mit komplexeren Aufgaben. Immer weniger Menschen machen heute noch stupide jeden Tag die selbe Arbeit. Die Zeiten des klassischen Fließbandarbeiters sind gezählt – und zwar sowohl bezogen auf den tatsächlichen Fließbandarbeiter als auch im übertragenen Sinne für alle anderen, die jeden Tag die immer gleiche Arbeit machen.

Das ist die eigentliche Veränderung. Es ist eine kulturelle Veränderung, die durch technologische Veränderungen losgetreten wurde. Unternehmen müssen also auf den kulturellen Wandel reagieren und sich gleichzeitig technologisch rüsten. Der kulturelle Wandel, ohne den jeder technologische Wandel vollkommen sinnfrei ist, wird in vielen Unternehmen aber immer noch nicht gelebt. Das ist ein riesiges Problem, das uns in den kommenden Jahren noch hart treffen wird – besonders hier in Deutschland. Wer seine Mitarbeiter kulturell nicht mitnimmt, wird sie verlieren – ganz egal, welche tollen Tools man eingeführt hat.

Arbeit muss neu gedacht, neu interpretiert und definiert werden – sie muss transformiert werden, für ein neues Zeitalter selbstbestimmter, selbstständiger Menschen adaptiert werden. Nur dann gelingt es.

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