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Nach Google-Vorfall: Sexismus im Valley?

Nach Google-Vorfall: Sexismus im Valley?

Nun also auch bei Google. Der Internetriese, der sonst sehr auf seine Außendarstellung achtet, hat ebendieser jüngst einen Kratzer zugefügt. Wobei es in diesem Fall nicht der Konzern selbst, sondern ein einzelner Mitarbeiter war, der das Image um eine äußerst hässliche Facette erweiterte: Sexismus.

Ein Google-Programmierer hatte unlängst ein Manifest verfasst, in dem er auf rund acht Seiten darlegt, warum Frauen seiner Meinung nach nicht für die IT-Branche geeignet sind. Er begründet die absurde These mit allerlei fadenscheinigen Argumenten und hanebüchener Biologie. Die Grundaussage kann etwa so zusammengefasst werden: weibliche Mitarbeiter können ihren männlichen Kollegen technisch nicht das Wasser reichen. Daran sollten sie jedoch nicht verzweifeln, schließlich sei es nicht ihre Schuld, sondern die ihrer Gene.

Trump beeinflusst das zwischenmenschliche Klima in den USA.

Diesen ausgemachten Blödsinn zu widerlegen ist die Fingerbewegung für die Tastenanschläge nicht wert. Zumal solche Theorien auch eher zu Mengele denn zu Mendel passen. Vielmehr führt dieser Vorfall das neue zwischenmenschliche Klima in Trumps USA auf erschreckende Art und Weise vor Augen. Dort fühlen sich nämlich zunehmend weiße Männer in ihren Rechten und Möglichkeiten beschnitten. Sie stilisieren sich, so paradox das auch klingt, zur Minderheit. Befeuert werden diese Realitätsleugner in ihrem Wahn dann zu allem Überfluss auch noch von der eigenen Regierung. Die will nun ein Gesetz abschaffen, das etwa große Firmen und Universitäten dazu zwingt, Minderheiten zu engagieren, um so eine gewisse Chancengleichheit herzustellen.

Diese, noch aktuelle, Gesetzeslage schade auch Google, ist dem Pamphlet weiter zu entnehmen. Der Suchmaschinenkonzern werde dadurch ja gezwungen, gewisse Posten mit Minderheiten zu besetzten. Diese würden dann den, oft besser qualifizierten Bewerbern (in der Regel sind diese natürlich weiß und männlich) die Jobs wegschnappen und dem Unternehmen langfristig schaden.

Nun ist Google aufgrund dieser Politik ja bereits seit Jahren auf dem absteigenden Ast, wie jeder weiß. Die Firma kann sich kaum noch über Wasser halten und dank eines mutigen Mitarbeiters, der sich nicht scheut, seine Meinung kundzutun, kennt nun auch jeder den Grund dafür. So absurd das für normaldenkende Menschen auch klingt, so schädlich ist die Angelegenheit für Google. Das Papier stieß nämlich nicht nur auf Kritik und Ablehnung, hie und da gab es auch Zuspruch. Der Verfasser selbst beteuerte, er habe viel Lob für seinen Mut erhalten, die vermeintliche Wahrheit endlich einmal öffentlich zu äußern.

Das Valley steht für eine andere, für eine liberale, gleichberechtigte Kultur.

Die Silicon Valley Kultur, der sich auch Google, als einer ihrer größten Botschafter, ideell verschrieben hat, ist indes freilich eine andere. Das Silicon Valley steht, wie ganz Kalifornien, für ein offenes, diversifiziertes Amerika. Hier geht es um Leistung – wer diese erbringt, ist dabei, ungeachtet des Geschlechts, der Herkunft oder der Religion. Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass sich Google CEO Sundar Pichai umgehend und äußerst deutlich gegen das Manifest aussprach und den verantwortlichen Mitarbeiter schlussendlich entließ. Dennoch, zurück bleiben ein fader Beigeschmack und die Frage, wie viel Xenophobie und Chauvinismus noch hinter der bürgerlichen Fassade weißer Männer im Silicon Valley schlummert.

Diese Fragen beschäftigen zukünftig auch Danielle Brown. Brown arbeitet seit Juni diesen Jahres bei Google und ist dort unter anderem als Chief Diversity & Inclusion Officer tätig. Über zu wenig Arbeit kann sie sich momentan also nicht beschweren. Das wird bedauerlicherweise wohl auch erst einmal so bleiben.

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