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Im Griff der Hacker – Eine neue Dimension der Cyberattacken

Im Griff der Hacker – Eine neue Dimension der Cyberattacken

Wie vielen Menschen haben wohl mitbekommen, dass im Dezember 2015 Hacker die Kontrolle über drei Stromverteilungsstationen in der West-Ukraine erlangten, diese lahmlegten und so ein Viertel aller Haushalte in der Region sechs Stunden lang vom Strom abschnitten? Wer auf der Welt hat außerdem zu Kenntnis genommen, dass ein Jahr später Hacker ein Umspannwerk in Kiew aus der Ferne sabotierten und damit 20% der ukrainischen Hauptstadt die Elektrizität entzogen?

Nun, die Betroffenen haben es zweifelsohne mitbekommen, aber darüber hinaus gab es relativ wenig Empörung über die Vorkommnisse. Die wäre jedoch mehr als nur angebracht, denn bei den Hackern handelt es sich keinesfalls um ein paar Chaoten, die der Welt, in diesem Fall der Ukraine, eins auswischen wollten. Vielmehr handelt es sich um eine höchst konspirative Gruppe, die ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen hat. Und ein verheerendes noch dazu.

Cyberattacken: Die Macht der Angst

Wenn auch nicht einwandfrei bestätigt, die Gründe dafür liegen auf der Hand, ist mittlerweile mit relativer Sicherheit davon auszugehen, dass eine pro-russische Gruppierung hinter den Cyberattacken steckt. Die verfolgt mit diesen und vielen anderen Attacken primär ein Ziel: Die Demonstration ihrer Macht.

Dabei würde es eigentlich zunächst schon ausreichen, Computer in Umspannwerken fernzusteuern, um Menschen in Angst zu versetzen. Doch diese Angriffe, dienten vor allem dazu, zu zeigen, dass man noch zu weit mehr fähig ist. So machten die Hacker im Dezember 2016 bei einer Attacke auf das ukrainische Finanzministerium, bei der Terabytes an Daten zerstört und somit unzählige Zahlungen an Staatsbedienstete und Pensionäre ausgesetzt wurden, vor allem eines sehr deutlich: Niemand ist sicher, „seht wozu wir fähig sind“.

Drohungen von Mütterchen Russland

Als würde das nicht reichen, wurde auf PCs von US-amerikanischen Strom- und Wasserversorgungsstationen dieselbe Malware gefunden, die bei den Angriffen in der Ukraine zum Einsatz kam. Sie lag versteckt im Datenwust und wartete nur darauf, eingesetzt zu werden. Die Frage ist nur, wozu?

Spätestens seit den US-Wahlen 2016 und den immer noch andauernden Ermittlungen, inwieweit russische Hacker darin auf wessen Geheiß verwickelt waren, sollte auch dem Letzten bewusst sein, wie viel realen Schaden Cyberattacken anrichten können. Verbunden mit den physischen Schäden, die in der Ukraine entstanden sind und der offensichtlichen Drohung seitens der Hacker, zu weit mehr im Stande zu sein, ergibt sich ein durchaus düsteres Bild.

Experten deuten alle Aktionen als deutliche Warnung, sich nicht mit Russland anzulegen. Die Ukraine akzeptiert die russische Annexion der Krim nicht – kein Strom und keine Gehälter für Beamte. Die USA beschließen Sanktionen gegen Russland – viel Glück ohne Strom und Wasser in Teilen des Landes.

Schnitt – Bundestagswahl 2017

Das führt uns zu den in wenigen Wochen anstehenden Bundestagswahlen. Hier gab es jüngst Berichte darüber, dass Hacker etwa Partei-Accounts geknackt haben oder die Stimmauszählungs-Software sabotieren können. Es stellt sich also die Frage, wie gut Deutschland diesen und möglichen weiteren Cyberattacken gegenüber gewappnet ist. Ein Blick auf die Digitalisierung unseres Landes verheißt in diese Richtung erstmal nichts Gutes.

Die Hoffnung bleibt aber bestehen, dass die Bundesregierung die richtigen Lehren aus den zahlreichen Ereignissen in der Ukraine und den USA gezogen hat und auf die Abwehr dieser Attacken in entsprechender Form vorbereitet ist.

Dystopische Vorzeichen

Es geht nämlich schon seit langem nicht mehr darum, Cyberattacken zu bekämpfen, die einzelne Computer lahmlegen oder das elektronische Postfach verstopfen. Es geht darum, dass Hacker mittlerweile in der Lage sind, Kühlreaktoren in Atomkraftwerken zu befehlen, sich so schnell zu drehen, bis diese sich dadurch selbst zerstören. Es geht um nichts geringeres als die Erpressbarkeit souveräner Staaten.

Wenn man nach einer Wahl negative Auswirkungen fürchten muss, weil das Ergebnis einer anderen Regierung, die eine Handvoll Hacker zur Verfügung hat, nicht gefällt, kann man die Demokratie auch gleich beerdigen. Und wenn nicht bald einiges mehr für die Abwehr derartiger Cyberattacken und Cybersicherheit im Allgemeinen getan wird, wird es bald nicht nur in der Ukraine zappenduster.

Bildquelle: Gorodenkoff / Shutterstock.com

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