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Daniel Krauss: Wir haben viele kleine Entscheidungen richtig getroffen.

Daniel Krauss: Wir haben viele kleine Entscheidungen richtig getroffen.

Flixbus hat es in den vergangenen Jahren geschafft, den Fernbus zu einer echten Alternative für Reisen zu machen. Ganz nebenbei erreichte das Unternehmen mit Sitz in München einen Marktanteil von über 90 Prozent. Daniel Krauss ist einer der Gründer von Flixbus und heute in der Rolle des CIO in der Geschäftsführung tätig. Wir haben mit ihm über die Gründung, erreichte Meilensteine und künftige Ziele gesprochen.

Du bist einer der Gründer von Flixbus. Wie kam es dazu? Was hat Dich am Fernbus-Markt gereizt?

2009 haben wir drei (Jochen, André und ich) uns erstmals in einer Münchner Kneipe zusammengesetzt. André und ich kannten uns schon aus der Schule und haben zu Studienzeiten bereits ein eigenes IT-Startup gegründet. Für unseren Abschluss haben wir es jedoch dann wieder aufgegeben. André war damals Fraktionsvorsitzender der Grünen in Fürth und hat im Koalitionsvertrag der Bundesregierung von den Liberalisierungsplänen zum Fernverkehr gelesen. Mit Bussen hatten wir damals eher weniger zu tun, das Thema fanden wir aber extrem spannend. Diese einmalige Chance einen Markt neu zu gestalten, wollten wir uns jedoch nicht entgehen lassen.

1200 Ziele in 26 Ländern.

Flixbus hat sich in den vergangenen Jahren großartig entwickelt und ist rasant gewachsen. Kannst Du uns einen kurzen Überblick geben? In wie vielen Ländern seid Ihr inzwischen mit wie vielen Verbindungen unterwegs?

FlixBus ist 2013 mit den ersten grünen Bussen innerhalb von Deutschland gestartet. Seitdem haben wir unser Netzwerk in ganz Europa stark ausgebaut und bieten mittlerweile Verbindungen zu über 1200 Zielen in 26 Ländern an. Zuletzt haben wir ebenfalls neue Inlandsnetzwerke in Dänemark und in Tschechien eröffnet.

Inzwischen liegt der Marktanteil in Deutschland bei 92 Prozent. Wann war für Euch klar, dass Ihr nur mit einem unglaublich schnellem Wachstum Erfolg haben könnt?

Wir haben einfach viele kleine Entscheidungen richtig getroffen. Eine davon war definitiv das Businessmodell. Es war recht schnell klar, dass sich in diesem Markt die Spieler durchsetzen werden, die schnell und flexibel auf Kundenwünsche reagieren.

Wie sieht eigentlich die aktuelle Zielgruppe von Flixbus aus? Wer fährt mit Flixbus?

Die klare Mehrheit der FlixBus-Nutzer sind Studenten, Azubis und Berufseinsteiger. Zunehmend nutzen auch Senioren und junge Familien den Fernbus für ihre Reisen durch Europa. Durch hohe Frequenzen, Expressverbindungen und attraktive Fahrtzeiten ist FlixBus zudem eine attraktive Alternative für Business-Reisende.

Bei Flixbus trifft Startup-Spirit auf Tradition und Erfahrung.

Was viele nicht wissen: Flixbus hat keine eigenen Busse und auch die Fahrer sind nicht bei Euch angestellt. Stattdessen arbeitet Ihr mit regionalen Buspartnern als Subunternehmer zusammen. Kamen eigene Busse für Euch nie in Frage?

Wir vertrauen auf unser Konzept und die Zusammenarbeit mit mittelständischen Buspartnern – meist Familienbetriebe in dritter Generation, die jahrelange Erfahrung in der Branche haben. Durch die Kombination aus Technologie und der Erfahrung von unseren Busunternehmen trifft Startup-Spirit auf Tradition und es entsteht etwas völlig Neues in der modernen Mobilitätsindustrie.

Daniel KraussBis vor wenigen Jahren waren Busreisen nicht gerade als angenehme oder gar angesagte Reisevariante bekannt. Flixbus hat maßgeblich dazu beigetragen, dieses Image zu verändern. An welchen Stellschrauben habt Ihr gedreht, um Busreisen attraktiver zu machen?

FlixBus setzt auf moderne Servicestandards wie Wi-Fi, Steckdosen, Air condition an Bord. Busreisen hat man in der Vergangenheit eher mit klassischen Kaffeefahrten und dem Verkauf von Heizdecken verbunden. Wir möchten unseren Kunden ein komplett neues Reiseerlebnis bieten.
Durch attraktive Direktverbindungen und ein Netzwerk, dass 26 Länder umfasst, haben FlixBus-Nutzer zudem die einfache Möglichkeit Europa zu entdecken.

Welche Pläne habt Ihr, um Busreisen in Zukunft noch attraktiver zu machen?

Unsere jeweiligen Teams arbeiten jeden Tag daran, das Reiseerlebnis mit FlixBus weiter zu optimieren. Wir bekommen tagtäglich wahnsinnig viel Feedback von unseren Kunden über unsere Facebook, Twitter oder Instagram und natürlich über unsere Qualitätsumfragen. Dieses Feedback nutzen wir, um unseren Service noch besser auf die Kundenbedürfnisse anzupassen. Kürzlich haben wir zum Beispiel ein neues Feature in unserer mobilen App integriert, durch das unsere Kunden im Fall einer Verspätung direkt via Push-Nachricht informiert werden. Zusätzlich tüfteln wir eigentlich täglich an der Optimierung der Buchungsplattform und Ergänzungen beim On-Board-Service.

Ein gutes Argument für eine Flixbus-Reise ist sicherlich auch der günstige Preis. Wie könnt Ihr dieses besonders attraktive Preismodell halten? Viele andere Marktteilnehmer können hier nicht mithalten.

Unser Erfolg basiert auf Digitalisierung und neuen Technologien. Wir legen hier extrem viel Wert auf datengetriebenes Yield Management. Wir wollen dem Kunden immer das Angebot zu dem Preis bieten können, das er sucht. Wie Airlines steuern wir Ticketpreise daher in Echtzeit um die optimale Auslastung einer Linie zu erreichen. Cleveres Marketing ist dabei allerdings genauso wichtig, wie der optimale Fahrplan und der richtige Preis.

Der Fernbus muss das preislich attraktivste Verkehrsmittel bleiben.

Ist Euer aktuelles niedriges Preismodell langfristig gedacht oder eher ein mittelfristiger Wachstumstreiber?

Der Fernbus muss das preislich attraktivste Verkehrsmittel bleiben. Folglich wird es auch keine Preiserhöhungen auf breiter Front geben. Wir wollen lieber die Busse voller bekommen und somit gleichzeitig den Individualverkehr reduzieren, um die Nutzung eines eigenen Autos In Zukunft hoffentlich überflüssig zu machen.

Inzwischen sind bei Flixbus längst nicht mehr nur nationale Investoren an Bord, sondern auch internationale große Player wie Silver Lake oder General Atlantic. Gibt es Pläne, in den nächsten Jahren auch den US-Markt zu erobern?

Unser Fokus liegt derzeit auf dem Ausbau unseres Netzwerks in Europa. Vor kurzem haben wir erst unser Angebot in Skandinavien erweitert und bieten unter anderem in Dänemark nun Inlandsverbindungen mit hohen Frequenzen an.

In Deutschland ist die Busmaut immer wieder politisches Thema. Welche Rolle würde die Einführung einer solchen Maut für Flixbus spielen?

Erfreulicherweise steigt die Nachfrage nach Alternativen zum Individualverkehr stetig und wir hoffen, dass auch die Politik diese Entwicklung im Sinne der Nutzer, des Klimas und der Anbieter fördert. Letztlich fördern alle öffentlichen Verkehrsmittel ein Ziel, das auch der Politik am Herzen liegen sollte: Den öffentlichen Verkehr zu stärken und so Infrastruktur und Umwelt zu entlasten. Die Einführung einer Fernbusmaut oder ein Verbot für Dieselbusse in Innenstädten wären hier definitiv kontraproduktiv. Daneben wird uns und die Branche auch die europaweite Diskussion über offene Grenzen und verschärfte Kontrollen noch lange beschäftigen.

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