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Sexuelle Rebellion der Maschinen

Sexuelle Rebellion der Maschinen

Es ist ein durch und durch moralisches Thema, das da am 22. Februar auf der 48forward Bühne behandelt wird. Denn wenn es um künstliche Liebe, im Besonderen um Sexroboter, geht, hat das nichts mehr mit technischem Fortschritt zu tun. Dieser ist längst da, die Möglichkeiten dementsprechend mannigfaltig.

Kampf gegen Windmühlen?

Die Frage die sich an diesem Punkt stattdessen stellt, sie ist eine alte: Bloß, weil man in der Lage ist etwas zu tun, bedeutet das zwangsläufig auch, dass man es machen muss? Genau aus diesem Grund hat sich auch eine Gruppe zusammengeschlossen, die ein sehr konkretes Ziel verfolgt. Campaign Against Sex Robots heißt diese Vereinigung mit dem unzweideutigen Namen unter der Leitung von Kathleen Richardson.

Der Anthropologin Richardson, mit der aufregenden und durch und durch futuristisch klingenden Lehrstuhlstelle (Professor of Ethics and Culture of Robots and AI) an der De Montfort University in Leicester, sind die Fortschritte auf dem Gebiet der Sexroboter schon lange ein Dorn im Auge. Die Vorstellung, dass eine Mischung aus Robotik und künstlicher Intelligenz Menschen in ihren intimsten Eigenschaften gleichwertig ersetzen kann, Besorgnis erregend.

Eine Rechnung, zwei Ergebnisse

Für Befürworter dieser Entwicklung ist die Rechnung indes ganz klar: Mehr menschenähnliche Roboter für Liebesdienste = weniger Bedarf an echten Prostituieren = besseres Leben für Frauen, die ansonsten zu diesen Diensten gedrängt oder genötigt würden. Eine Logik, die zumindest auf dem Papier nicht vollends abwegig erscheint.

Für die Campaign Against Sex Robots weist diese Rechnung allerdings ein gänzlich anderes Ergebnis auf. Für sie führt eine Verbreitung von Sexrobotern unter anderem dazu, dass die Verdinglichung von Frauen weiter voranschreitet, diese sogar wächst, und dass Menschen, die vornehmlich mit solchen Maschinen interagieren, ihre Empathie verlieren.

Die Wahrheit liegt in der Mitte – schon wieder

Natürlich ist es furchtbar abgedroschen an dieser Stelle zu sagen: „Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Thema abgehakt. Danke für das Gespräch.“, aber die Welt in der wir leben ist eben grau und nicht schwarz-weiß. Ein Mensch, der, aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage ist, physische Kontakte zu einer realen Person aufzubauen, für den sind diese Roboter womöglich die einzige Chance überhaupt so etwas wie Intimität zu erfahren. Wieso sollte man so jemanden diese Erfahrung grundsätzlich verweigern?

Auf der anderen Seite ist die Gefahr durchaus groß, dass Personen mit sinisteren Absichten diese erst an ihren humanoiden Begleitern ausleben, nur um dann eventuell nach einem realen Pendant zu suchen. Auch kann man schwerlich von der Hand weisen, dass der ständige Umgang mit Maschinen die Empathie eines Menschen nicht gerade erhöht, euphemistisch formuliert.

Die Mär von der ethischen Gesellschaft

Am Ende scheint die Aufgabe, mit dieser Thematik umzugehen, dann doch wieder mehr gesellschaftlicher denn moralischer Natur zu sein. Der Fortschritt im Bereich der Sexroboter wird sich nicht aufhalten lassen, dass sollte aber eigentlich auch nicht weiter schlimm sein. Gelingt es uns als Gesellschaft nämlich nicht, uns unsere Menschlichkeit und unser Einfühlungsvermögen zu bewahren, nur weil es bald möglich sein wird, mit artifiziellen Menschen zu schlafen, dann haben wir sowieso ganz andere Probleme.

Probleme etwa, die vor allem im Sektor der käuflichen Liebe noch immer akut sind. Nach wie vor werden tagtäglich vornehmlich junge Frauen verschleppt, misshandelt und die Prostitution gezwungen. Eine Debatte über mögliche Veränderungen durch Roboter in der Zukunft bedeutet nicht, dass man sich aus der Verantwortung der Gegenwart stehlen kann.

Denn der Wert einer Gesellschaft lässt sich am besten daran messen, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. Nach diesen Maßstäben geben wir ein ziemlich schlechtes Bild ab. Und ein erbärmliches noch dazu.

Bildquelle: Fossiant / Shutterstock.com

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