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48forward: Kaspar Korjus – How Nation States Become Borderless

48forward: Kaspar Korjus – How Nation States Become Borderless

Seit einiger Zeit lässt sich vielerorts in Europa ein beunruhigender Trend erkennen: die Wahl autokratischer Herrscher und Regierungen und die damit verbundene Abkehr von der Globalisierung. Nun birgt die Globalisierung zweifelsohne nicht nur Vorteile, aber zu sehen, mit welcher Verlässlichkeit Land um Land sich zurück zu geschlossenen Grenzen und Abschottung wählt, ist dann doch besorgniserregend. Zumal sich diese Tendenz weltweit beobachten lässt.

Digitales Gallien

Selbstverständlich trifft das nicht auf alle Länder zu. Es gibt sie noch, die Bastionen, die für Weltoffenheit und Toleranz werben anstatt blindlings alles zu verdammen, was fremd und andersartig scheint. Besonders hervortut sich dabei ein kleines baltisches Dorf. Genaugenommen ist es auch ein Land und kein Dorf: Estland.

Der Staat an der Ostsee führte nämlich 2015 das sogenannte E-Residency Programm ein. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine digitale Staatsbürgerschaft, die von jedem Menschen auf der Welt beantragt werden kann. Der Vorteil: Mit dieser Staatsbürgerschaft lässt sich dann natürlich ganz unkompliziert ein Unternehmen in Estland gründen. Ländergrenzen werden somit quasi non-existent.

Kleines Land, große Anziehungskraft

Einer der führenden Köpfe hinter diesem Programm ist Kaspar Korjus. Der Este, der unlängst auf der berühmten Forbes 30 under 30 Liste zu finden war, stand im Februar 2018 in München bei der 48forward Konferenz auf der Bühne, um mehr über dieses spannende Thema und dessen Vorzüge zu berichten.

Und dass dieses Programm ein echter Erfolg ist, belegte Korjus sogleich mit Zahlen: über 30.000 Menschen haben sich mittlerweile eine digitale Staatsbürgerschaft zugelegt und über 5.000 neue Firmen wurden auf diesem Weg bereits in Estland gegründet. Kein Wunder also, dass ein Motto des E-Residency Programms lautet: „Kein Unternehmen sollte an physische Grenzen gebunden sein.“

Dieser digitale Pioniergeist ist allerdings nicht nur aus einem reinen Wohlfahrtsgedanken der Esten heraus entstanden. Mit etwas mehr als 1,3 Millionen Einwohnern währe Estland auf dem internationalen Markt kaum konkurrenzfähig gewesen. Die zahlreichen Firmenneuanmeldungen stellen zweifelsohne eine wichtige Einnahmequelle für das kleine baltische Land dar.

Panel-Diskussion mit Zukunftsblick

Im Anschluss an seinen interessanten Vortrag nahm Kaspar Korjus dann auch noch einer äußerst anregenden Panel-Diskussion mit dem Thema „Why Do We Need eGovernment“ teil. Die Vor- und Nachteile der generellen Idee und des E-Residency Programms im Speziellen diskutierte er dabei mit Nico Lumma, COO des next media accelerator und gern gesehener Dauergast bei 48forward Veranstaltungen, und Moderator Richard Gutjahr.

Ein Thema, über das es in den kommenden Wochen und Monaten mit Sicherheit noch mehr zu hören geben wird. Und eines, dass einen angenehmen Gegenpol zu den ganzen Mauerbauern dieser Welt darstellt.

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