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Google Tune: Der Versuch, das Internet zu zivilisieren

Google Tune: Der Versuch, das Internet zu zivilisieren

Manchmal ist es wahrlich ein Graus, die Kommentarbereiche auf einschlägigen Seiten im Internet zu besuchen. Vor allem als Mensch mit einigermaßen gesundem Verstand kann man ob der Menge an Rassismus, Sexismus, Homophobie und ähnlichem Müll, der einem dort entgegenschlägt, nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und in Folge dessen im Sinne des eigenen Seelenheils diese Teile des Netzes meiden.

Die üblichen Verdächtigen

YouTube, Twitter und Facebook sind dort die Vorreiter als Sammelbecken der geistigen Totalausfälle einiger Nutzer, aber vor allem auch die Kommentarspalten von Zeitungs- und Newsredaktionen oder Foren wie Reddit, 4chan, 9Gag und diverse Blogs fallen mit teilweise derbsten Äußerungen negativ auf.

Wer sich diesem Schund nicht aussetzen will, dem sachlichen Diskurs aber nicht verschließen will, für den hat Googles Jigsaw, die Denkfabrik des Suchmaschinenprimus, nun eine Lösung parat. Google Tune nennt sich die Erweiterung, die der Nutzer ab sofort einfach als Erweiterung für den Google Chrome Browser installieren kann.

Künstliche Intelligenz gegen Hass

Das Ganze ist Teil des Conversation-AI Projekts und somit komplett Open Source. Dahinter steckt also eine Künstliche Intelligenz, die auf Basis von Millionen Nutzerabfragen nun in der Lage ist, englischsprachige Kommentare auf ihren Toxizitätsgehalt zu untersuchen und entsprechend zu filtern. Allerdings befindet sich das Programm noch in der Probephase, es kann als durchaus noch vorkommen, dass die KI harmlose Kommentare als schädlich herausfiltert und den ein oder anderen Hasskommentar noch übersieht.

Momentan funktioniert das Programm bei YouTube, Facebook, Twitter, Reddit, und Disqus und wer sich Google Tune installiert, kann dabei in vier Stufen einstellen, wie sehr die Kommentare gefiltert werden sollen. Der Zen Modus stellt hier die extremste Form da, blendet alles aus und lässt den User, dem Namen entsprechend, völlig entspannt surfen.  

Kampf gegen Windmühlen

Es ist ein spannendes Experiment, mit dem Google versucht, das Netz ziviler und reifer zu gestalten. Doch ändern wird sich dadurch voraussichtlich nichts. Zwar ist Google Chrome der meistbenutzte Browser der Welt, eine große Abdeckung wäre also durchaus gegeben. Jedoch bedeutet es ja keinesfalls, dass das Filtern von widerwärtigen Kommentaren, deren Ersteller in irgendeiner Form beeinflusst oder gar zum Umdenken animiert.

Des Weiteren besitzen auch die betroffenen Plattformen und Internetseiten kein allzu großes Interesse, den Diskurs gesitteter zu gestalten. Denn die Aufregung ist Kalkül, bringen doch hitzige Debatten viel mehr Engagement seitens der Nutzer somit am Ende auch mehr Klicks.

Don’t feed the troll

Doch immerhin erlaubt es dem Einzelnen, das Internet wieder zu benutzen, ohne an allen Ecken und Enden den Hass und Frust einiger Abgehängter und Versager ertragen zu müssen. Selbst wenn diese nur trollen wollen, sind wir mittlerweile an einem Punkt, an dem es schlicht keinen Spaß mehr macht, einem öffentlichen Diskurs beizuwohnen. Und vielleicht verhungern dann ein paar dieser Trolle ja auch, wenn man sie nicht mehr mit Aufmerksamkeit füttert. Das wäre ein schöner Anfang.

Fotoquelle: Lesterman / Shutterstock.com

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