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E-Scooter vor Zulassung in Deutschland

E-Scooter vor Zulassung in Deutschland

Nun ist es also wohl auch hier soweit: In der Bürokratie- und Verwaltungshochburg Deutschland werden voraussichtlich noch in diesem Jahr die E-Scooter zugelassen. Die kleinen, motorisierten Tretroller, die in den vergangenen Jahren bereits mehrere europäische und US-amerikanische Großstädte ähnlich biblischer Insektenplagen heimgesucht haben, werden wahrscheinlich bald auch auf deutschen Straßen ihr Unwesen treiben.

Lösungen müssen her

Aber der Reihe nach: Vor allem westliche Metropolen brechen immer mehr unter ihrer Verkehrslast zusammen. Verstopfte Straßen, vollgestopfte öffentliche Verkehrsmittel und überfüllte Fußgängerzonen sind das Resultat. Daher sind vor allem einfache, günstige und umweltschonende Alternativen zu den althergebrachten Fortbewegungsmethoden gerne gesehen.

Das verstanden auch Firmen wie Segway, BMW, Xiaomi, SXT, oder Swiftyscooter. Auch Dienstleister wie Uber, Lime oder Lyft erkannten sofort das Potential, dass kleine, wendige Tretroller, die die menschliche Muskelkraft mit elektronischer Power unterstützen, bergen. Während erstere Unternehmen sich auf die Herstellung dieser Fortbewegungsmittel spezialisierten, stellten letztere diese als Dienstleister in diversen Städten zur Mietnutzung bereit.

Zu viel des Guten

Ein neues Konzept war geboren: Statt sich in den bekannten Apps der Fahrdienstvermittler Autos zu buchen, konnte man nun bequem einen E-Scooter am Straßenrand auswählen und diesen für wenig Geld mieten. Vor allem kürzere Strecken, etwa zur nächsten U-Bahn oder Eisdiele, gerieten so nicht nur um einiges kürzer, sondern auch spaßiger.

Doch die Schattenseite dieser Gefährte zeigte sich spätestens, als zu großen Veranstaltungen, wie etwa dem WebSummit in Lissabon oder der SXSW in Austin, die Straßen dieser Städte damit regelrecht überschwemmt wurden. Bald wurden auch andere Metropolen damit überflutet.

Teils schwere Unfälle, auch mit Todesfolge, und überall herumliegende Roller waren das Ergebnis. Die kleinen Elektroroller erreichen mit bis zu 25 Kilometern in der Stunde auch durchaus eine beachtliche Geschwindigkeit. Da passiert es nur allzu leicht, dass man mal einen Baum, ein Schlagloch oder einen anderen Verkehrsteilnehmer übersieht.

Ohne Helm ins Glück

Für Deutschland gibt es aktuell noch keine Pläne, dass man die E-Scooter über Drittanbieter auch minutenweise anmieten können wird. Doch die Entscheidung, diese zuzulassen, wurde auch gerade erst vom Bundeskabinett befürwortet. Und da Uber bereits hierzulande operiert, wäre es für den Fahrdienst ein Leichtes, sein Angebot um ein paar Roller zu erweitern.

Zwar gibt es in Deutschland, wie könnte es anders sein, ein paar zusätzliche Auflagen und Verordnungen, wo und wie man mit diesen Rollern fahren darf, aber allzu streng sind diese überraschenderweise nicht – ein Helm etwa ist keine Pflicht. Es bleibt also abzuwarten in welcher Vielzahl die Elektroroller in unseren Städten Einzug erhalten.

Abwarten und Akkus laden

Noch ist es also zu früh, die E-Scooter zu verteufeln. Zum einen, weil der Bundesrat der Verordnung ebenfalls noch zu stimmen muss. Zum anderen aber auch, weil das Ausmaß der Verbreitung noch nicht absehbar ist.

Sollten sich Privatpersonen diese Elektroroller zulegen, um ihre Mobilität zu vergrößern (Preise beginnen bei ein paar hundert Euro und gehen in die Tausende) sind sie tatsächlich eine sinnvolle Ergänzung zu den bereits vorhandenen Möglichkeiten. Es wird dann zwar bestimmt auch ein paar Unfälle geben, die gehören zum normalen Verkehrstreiben aber nun mal leider dazu.

Werden diese Roller, genau wie anderen Städten, jedoch von diversen Dienstleistern auf die Straßen geworfen wie Kleingeld in einen römischen Brunnen, wird man bald vor lauter E-Scooter und Unfallopfer keinen Bürgersteig mehr sehen können. Immerhin die Zigaretten- und Kaugummiwegwerfer wären dann aus dem Schneider. Ihren Müll könnte man nicht mehr erkennen.

Über Sinn und Unsinn solcher neuer Mobilitätskonzepte wird am 07. Mai 2019 auch beim 48forward Mobility Day in München diskutiert – wir dürfen gespannt sein.

Fotoquelle: Andrei Bortnikau / Shutterstock.com

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